Man muss sich auf das einlassen, was das Tier anbietet
Interview mit Joanna Surman, Gründerin von Rudy Kadr, über Hunde- und Katzenfotografie, Tierverhalten, Licht und Geduld beim Shooting.

Interview mit Joanna Surman, Gründerin von Rudy Kadr, die seit sieben Jahren Hunde und Katzen fotografiert. Wir sprechen über die Herausforderungen der Tierfotografie.
Wie hast du angefangen, Tiere zu fotografieren?
Mein Mann brachte mich zur Fotografie, Tiere liebte ich schon immer. Ich verband beide Leidenschaften und fotografierte zunächst Tiere aus Tierheimen und Stiftungen für Vermittlungsanzeigen. Dort lernte ich den Umgang mit Hunden und Katzen.

Wo sollte ein Anfänger beginnen?
Am einfachsten mit dem eigenen Tier, dessen Verhalten man kennt. Auch ehrenamtliche Arbeit im Tierheim ist wertvoll, weil man sehr unterschiedliche Charaktere kennenlernt: trainierte, schüchterne, energiegeladene oder schwierige Tiere. Geduld und Beobachtung sind entscheidend.
Braucht man Wissen über Tierverhalten?
Ich begann ohne große Vorkenntnisse und lernte später aus Büchern und Webinaren. Katzen und Hunde brauchen unterschiedliche Herangehensweisen. Als fremde Person im Revier eines Tieres sollte man ruhig sein und seine Signale respektieren.
Gibt es Tiere, die nicht für ein Shooting geeignet sind?
Starke Angst oder Aggression können eine ausführliche Session unmöglich machen. Katzen brauchen oft mehr Zeit, um einen Fremden zu akzeptieren. Bei nervösen Hunden stehen Sicherheit und ruhige Bewegungen an erster Stelle.

Was ist mit sehr aktiven Models?
Energie hängt oft von Alter und Charakter ab. Bei einem jungen Corgi am Meer war die Session eher ein Spaziergangsreportage als ein statisches Shooting. Ich beziehe die Besitzer gern ein und warte auf gute Momente.



Unterschied zwischen Hund und Katze?
Hunde fotografiere ich meist draußen, Katzen zu Hause. Das Zuhause ist für Katzen ein sicherer Ort, während Hunde Spaziergänge und natürliches Licht genießen.


Wie lenkst du den Blick zur Kamera?
Mit Futter und Spielzeug. Für Katzen habe ich Bälle, Federangeln und Katzenminze, für Hunde Leckerlis und Quietschspielzeug.


Inszenierst du die Szene?
Nur teilweise. Vieles ist Beobachtung. Beim Hund nutze ich Situationen während des Spaziergangs, bei Katzen plane ich mehr Zeit zum Kennenlernen ein. Letztlich muss man sich auf das einlassen, was das Tier anbietet.


Drinnen oder draußen – was ist leichter?
Beides hat Vorteile. Draußen gibt es Jahreszeiten, goldene Stunde, Nebel und Farben. Innenräume können dunkel und eng sein, ermöglichen aber eine warme, intime Atmosphäre mit Besitzer und Tier.
Hilft Blitzlicht?
Ja, besonders zum Einfrieren von Bewegung, aber es muss vorsichtig eingesetzt werden. Mit einem Up! X 300 und großer Softbox ließ sich ein bewegter Moment weich ausleuchten. Einen starken, unmodifizierten Blitz sollte man nie direkt in die Augen richten.


Für mobile Aufträge nutze ich einen Stroboss V1 mit Quadralite Litebox 50×50 cm. Das Set ist kompakt und funktioniert innen wie außen.



Tipps für Anfänger und Tierhalter?
Geduld haben, viel üben und den Spaß nicht verlieren. Zu Hause eignet sich Fensterlicht. Leckerlis, Spielzeug und Serienbildmodus helfen. Ein aktives Tier kann vor dem Shooting spielen oder spazieren gehen. Gewöhne es außerdem an Kamerageräusche und Lichtausrüstung.


Wie entwickelt sich der Markt in Polen?
Er wächst. Marken benötigen häufiger Hundefotos für Werbung und Tierhalter buchen professionelle Sessions. Hundefotografie ist etablierter, Katzenfotografie bleibt eine kleinere, interessante Nische.
Wie bereitet man ein Tier vor?
Ein aktiver Hund kann vorher spazieren gehen oder der Spaziergang wird Teil des Shootings. Nicht zu viel füttern, wenn mit Leckerlis gearbeitet wird. Bei Katzen helfen vertrautes Futter und bekannte Spielsachen.
Mehr Arbeiten von Joanna: <https://www.instagram.com/rudykadr/>
Unser herbstlicher Fotospaziergang mit Hunden: <https://www.youtube.com/watch?v=0sPautEO8Jw>
